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21.02.2010, 10:00 Uhr | GZ - Werner Beckmann Übersicht | Drucken
Burgberg: Masterplan-Umsetzung kostet mehr als 6 Millionen Euro

BAD HARZBURG. Eine Investition von mehr als 6 Millionen Euro und kaum Aussicht auf direkte Refinanzierung. Der visionäre Entwurf des Architekturbüros Kleineberg & Pohl für den Burgberg jedoch wird nicht allein am finanziellen Kraftakt scheitern. „Viel zu modern“, so ein Kommentar am Rande der Versammlung des Fördervereins Historischer Burgberg.



Dagegen erfuhr das charmant-historisierende Projekt Dirk Junickes Zustimmung. Zumal auch das wirtschaftliche Risiko dabei allein der Bauherr trägt.

Zu vergleichen sind die beiden Vorhaben im Grunde nicht. Auf der einen Seite der kraftvolle Schnitt, der das Gesicht des Burgbergs ebenso nachhaltig verändern könnte wie einst der Bau der Harzburg selbst. Auf der anderen Seite der gefällige Gasthof, der sich einschmiegt und mit Bäder- und Harzer Architektur-Einflüssen spielt, die schon im 19. Jahrhundert das Hotel auf dem Bad Harzburger Hausberg prägten.

Der „Kaiserberg“

Zu vergleichen sind allerdings auch die Ansätze nicht. Dirk Junicke stellte klar, dass der Kleineberg-Entwurf mit ihm nicht umzusetzen sein werde. Sollte sich ein anderer Investor finden, werde er nicht im Weg stehen. Ansonsten aber – auch aus der Verantwortung für sein Unternehmen und einen zukünftigen Betreiber des Gasthofes heraus – werde er seinen Entwurf realisieren. Dieser bietet im kleineren Rahmen durchaus Möglichkeiten, mit Ausstellungsflächen zur Historie des Burgbergs tragende Ideen des Masterplans umzusetzen.

Ein „Kaiserberg“ jedoch, den der „Masterplan zur touristischen Inwertsetzung des Burgbergs“ anstrebt, wird der Bad Harzburger Hausberg aus Fremdenverkehrs- und Marketing-Sicht damit nicht werden. Was allerdings auch kaum Aufgabe eines privaten Bauherrn sein kann. Einen wirtschaftlichen „Bilbao-Effekt“, wie in der nordspanischen Stadt nach dem Bau des Guggenheim-Museums, kann es so nicht geben. Wobei viele Bad Harzburger schon dankbar sind, dass sich die mehr als schwierige gastronomische Situation nun endlich zum Besseren wenden wird.

„Harzer Gasthof“

Einen „typischen Harzer Gasthof“ mit einigen Zimmern und Suiten will Junicke an der Stelle der derzeitigen Alpen-Verschnitt-Gaststätte bauen. Auch hierin könnten bereits Ausstellungen wie der Harzsagenschrein eingebunden werden. Dazu ein Wirtschaftsnebengebäude, „harzerisch“ ein Geraffelhaus. Rund um die herrliche Ulme, die zwar krank ist, aber erhalten werden soll, bliebe Platz für einen Ausstellungsbau und einen Biergarten. Touristen, die hier einkehren wollen, sollten gut zu Fuß sein oder ein Faible für Bergbahnfahrten haben: Individualverkehr auf den Burgberg wird es auch mit dem Gasthof nicht geben.

Der Masterplan von Kleineberg verändert dagegen das Erscheinungsbild des Burgbergs radikal. Moderne kubische Baukörper bieten nicht nur optisch Ecken und Kanten. Sie bilden inhaltlich eine Zeitachsen-Verbindung von der Canossa-Säule über den Gasthof, den Ausstellungsbereich um Canossa und Harzer Sagen, bis hin zum Turm und damit hinüber zur Ostburg. Konzeptionelles Kernthema sind die beherrschenden und verbindenden „immateriellen Wände“, die an den wehrhaften Burg-Charakter erinnern und in diesem Plan die großen Harzer Kaiser Otto IV. und Heinrich IV. überlebensgroß wieder auferstehen lassen sollten.

Die „Kaiserwände“ aus mattiertem Glas, mit gigantischen Kaiserbildern versehen, hätten dabei ihre ganze Faszination erst in der Dämmerung entfaltet, wenn sie von innen beleuchtet Strahlkraft entwickelt hätten. Dies wäre dann sogar im Wortsinn einer der stets lauthals geforderten „Leuchttürme“ für die Tourismusregion Harz geworden. Dies insbesondere im historischen Harzer Kontext mit Kaiserpfalz und Klöstern.

Kein Leuchtturm

Ohne dass es (zumindest öffentlich) überhaupt eine grundlegende Diskussion gegeben hat, scheinen die Weichen gestellt. Was wirtschaftlich angesichts der Haushaltslage zunächst nachvollziehbar und sicher auch einfacher – weil gefälliger – umzusetzen ist. Der „Leuchtturm“ aber bleibt dunkel. Kaffeehaus statt Kaiserberg.



aktualisiert von Alex Weisse, 01.03.2010, 10:33 Uhr

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